Pandemie, Krieg, Rohstoffmangel, Fachkräftemangel, Ausschreitungen, Aufstände, Fluchtbewegungen, Hunger, Not … Diese Liste könnte noch Seiten über Seiten füllen. Und das sind erst die äußeren Unsicherheiten, Addieren wir dann auch noch die Unsicherheiten, kleinere Kriege im Inneren und die Auseinandersetzungen in unserem privaten und beruflichen Umfeld, stehen wir vor einem wahren Trümmerhaufen unseres Sicherheitsbedürfnisses. Planungssicherheit, Rückhalt, Zuversicht: War gestern, war überhaupt mal irgendwann, oder war eigentlich schon immer eine Lüge?
Um sich von all dem Trubel nicht unterkriegen zu lassen, ist es wichtig, das ICH im Wort (Un)Sicherheit zu stärken und eine objektive, realistische Perspektive einzunehmen, mitunter nüchterne Konsequenzen zu ziehen, ohne dabei unser so wertvolles emotionales Engagement zu verlieren.
Du kannst die Welt nicht auf deinen Schultern tragen
Die Einschätzung des Ausmaßes einer Krise ist oft ein situativ und aus individueller Perspektive, welche nicht selten von Medien und Umfeld verstärkt werden kann. Kennzeichnend ist das Gefühl eines Kontrollverlustes. Dies ist der Grund, weshalb vor allem Ereignisse, die sich direkt auf unser Sein auswirken, wesentlich stärker empfunden werden. Ein Beispiel: War dir bewusst, dass in Somalia gerade eine Heuschreckenplage die gesamte Ernte bedroht, dass in Venezuela bereits sieben Jahre eine enorme Wirtschaftskrise herrscht, die nicht nur für eine Hyperinflation sorgte, sondern eben auch für politische Spannungen und eine steigende Gewaltbereitschaft? Wusstest du, dass Madagaskar bedingt durch den Klimawandel immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht wird? Nein? Dann liegt das wohl an deiner Aufmerksamkeit für bestimmte Gebiete, Themenfelder und Wirkungskreise. Bitte, fühl dich jetzt nicht schlecht, wir wollen dir nur zeigen: Es gibt, gab und wird immer eine schreiende Ungerechtigkeit auf Erden geben und es liegt eben nicht in deiner Macht, all diese Probleme wahrzunehmen und zu lösen. Im Gegenteil, ein hohes persönliches Involvement in ALL das Leiden dieser Welt kann dich davon abhalten, den Ort direkt vor deiner Nase zu einem besseren Platz zu machen. Konzentriere dich auf deinen Möglichkeitsrahmen. Schaue, was du wirklich beeinflussen kannst und ob es nicht auch in deinem direkten Umfeld positive Beispiele gibt, die dir zeigen, dass DU etwas bewegen kannst. Eine solche Herangehensweise kann dich in deinem Warum bestärken und anstatt dich in die Verzweiflung zu stürzen, ermutigen voranzugehen.
Differenziere!
Denn das Weltgeschehen muss sich nicht zwingend auf dich auswirken. Auch wenn sich weltweite Krisen zunehmend auch auf unser vermeintlich sicheres Europa auswirken und wir gesamtgesellschaftliche Einschränkungen nicht leugnen können, heißt das NICHT, dass auch du, deine Branche und deine Tätigkeit davon beeinflusst sind. Menschen können nicht anders, als in einem System wie dem unseren einen gewissen Alltag auszuleben. Und dieser Alltag setzt nun mal voraus, dass gewisse Dinge passieren, Leistungen vorhanden sind und Nachfragen entstehen, die nach Angebot suchen. Also atme tief durch und frage dich: Gibt es in deinem Unternehmen bestimmte Aspekte, die sich unter jetzigen Voraussetzungen eigentlich nicht weg reduzieren lassen? Zeige deinen Kund*innen, dass du da bist. Biete Sicherheit, indem du mit gutem Beispiel vorangehst. Kleiner Tipp: Was ebenso hilft, sind eigene kleine Routinen und Gewohnheiten, die dein Sicherheitsbedürfnis bedienen. Ein regelmäßiges Telefonat mit Freunden, die Gewohnheit jeden Montag in deinem Lieblingscafé den besten Kaffee vorzufinden, beim täglichen Joggen immer wieder die Schönheit des Parks bei dir um die Ecke wertzuschätzen…Es gibt so vieles, das bleibt!
Gemeinsam ins Handeln kommen
Natürlich ist es dennoch wichtig, die Augen vor dem Weltgeschehen nicht zu verschließen. Nur weil dich etwas nicht betrifft, kann und sollte es dich dennoch berühren. Denn niemand möchte ein entmenschlichtes System, in dem ein Individuum nichts als den eigenen Dunstkreis im Kopf hat. Was da hilft? In den Austausch gehen, miteinander sprechen, unser wertvollstes Gut – und zwar Zeit – dazu zu nutzen, auf Missstände aufmerksam zu machen, um die eigene Haltung und Werte weiter in deinem Umfeld sicherzustellen und zu integrieren. Wieso also nicht mal wieder diskutieren, argumentieren und Meinungen abgleichen? Wie wäre es mit einem regelmäßigen Gesprächskreis, Themenabenden und Diskussionsrunden in deinem Team? Wechselnd können Themen aufgeteilt werden und Expert*innen für bestimmte Bereiche gewählt werden, um gemeinsam für eine möglichst hohe Informationsdichte zu sorgen. Problemfelder können von Einzelnen vorgestellt und anschließend in gemütlicher Runde besprochen werden. Dabei geht es selbstverständlich nicht darum, für jedes Problem eine Lösung zu finden, sondern vielleicht einfach nur: den Missmut, die Trauer und die Angst auszudrücken, nicht alleine zu sein, zu spüren: Wir haben und wir sind Verbündete und ggf. durch fremde Perspektiven neue Hoffnung zu schöpfen.
Oasen schaffen
Unsere Umgebung ist vor allem mit voranschreitender Globalisierung und Digitalisierung vollgestopft mit Informationen. Es scheint fast unmöglich, an den neuesten Nachrichten vorbei zu huschen. Wichtig jedoch: Kleine Oasen im Alltag. Sorge regelmäßig für einen Stopp an Input. Schaffe dir jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Auszeit, die es dir ermöglicht, auch deinen eigenen Gedanken zu lauschen, dich zu erden und klar einzuordnen: Was bewegt dich, wovor hast du Angst und wie kannst du inneren Frieden schaffen? Besonders gut eignet sich hier natürlich ein Gang in die Natur zum Beispiel in der Mittagspause oder auch ein Mittagsschlaf, sogenannte Quality Time mit dem*r Partner*in, Musik hören, kreatives Erschaffen, aber auch einfache Haushaltstätigkeiten, oder auch Sport können dafür sorgen, wieder in deine eigene Schwingung zu gelangen.
Polster, Puffer und Knautsch-Zonen
Als Unternehmerin tragen wir Verantwortung. Nicht nur für uns – sondern eben auch für ein Team und ja: oft auch für unsere Kund*innen, die auf uns zählen! Was hier Sicherheit bieten kann, um deine Geschäftigkeit auch in Zukunft auf sicheren Gewässern zu schiffen, ist das, was wir hier einmal als Puffer bezeichnen wollen. Kalkuliere sowohl in finanziellen Belangen als auch in allem, was den Bezug an Gütern oder der Verfügbarkeit von Dienstleistungen betrifft, ein Kontingent ein, auf welches du im Notfall zurückgreifen kannst. Das heißt nicht, dass du direkt finanziell komplett unabhängig sein musst. Oft reicht schlicht das regelmäßige Beiseitelegen eines gewissen Einkommensanteils. Wir empfehlen, dass du bereits alternative Produktionsleistungen im Hinterkopf hast und dir beim Austüfteln eines Plans immer ein grobes Alternativkonzept zurechtlegst. Das beruhigt ungemein! Und wer ruhig und sicher handelt, strahlt das nicht nur aus, sondern macht weniger Fehler, handelt konzentriert und klug.
Wandel akzeptieren und begrüßen
Krise heißt Wandel und Wandel erscheint wohl das einzige wirklich zuverlässige in dieser Welt zu sein. Wie Tag und Nacht, die Jahreszeiten, das Meer und unsere Launen, alles bewegt sich. Und das ist auch gut so! Denn denk mal nach: Was wäre die Alternative: Stillstand. Und das können wir als Unternehmerinnen doch wirklich nicht wollen. Krise als Chance zu begreifen, statt als Bedrohung ist eine Geisteshaltung, die uns die Möglichkeit gibt, neue Potenziale zu entdecken und durch sich transformierende Bedarfe im Außen neue Absatzmärkte, neue Herangehensweisen zu generieren. Zu beachten ist: Neue Probleme bzw. Herausforderungen können meist nicht mit den gleichen Verhaltensweisen und Strategien gelöst werden, die wir gewohnt sind. Also ist es auch hier notwendig, umzudenken. Das soll dich jetzt nicht unter Druck setzen, sondern viel mehr: dafür begeistern, deiner Kreativität freien Lauf zu lassen! (Und das kann ja sogar Spaß machen!)
Also: Statt zu verzweifeln, jede Krise als Möglichkeit bewerten, dir deine eigene Souveränität vorzuführen und als starke Persönlichkeit sowohl im Privaten als auch im Beruf durch turbulente Stürme manövrieren und vielleicht sogar ungeahnte Ufer zu entdecken.